• Stef Liehr

Unkraut

Ich weiß nicht, wer von euch das Gleichnis Jesu vom Unkraut im Weizen kennt, aber ich werde es euch kurz erzählen. Denn es ist eine tolle Geschichte zum Thema ermutigend erziehen.

Es war einmal ein Bauer, der guten Samen auf sein Feld säte. Eines Nachts kam sein Feind und säte Unkraut zwischen den Weizen und schlich sich davon.

Als nun die Saat heranwuchs und sich Ähren bildeten, ging auch das Unkraut auf.

Da kamen die Arbeiter des Grundbesitzers und fragten ›Sollen wir hingehen und das Unkraut ausreißen?‹

›Nein, dabei würdet ihr ja den Weizen mit ausreißen.Lasst beides bis zur Ernte wachsen.<  nach Matthäus 13


Was wir mit den Jüngern auch heute noch gemeinsam haben ist, das wir Unkraut fixiert sind. Wir sind überall in unserem Leben damit beschäftigt Unkraut auszureißen. Ja wir haben sogar Unkrautvernichtungsmittel erfunden, die wir aber natürlich nicht so bezeichnen. Ich halte es für reine Ironie, wenn ich mit meinem Mann (Landschaftsgärtner) Rechnungen schreibe, auf denen steht: 5ml Pflanzenschutzmittel. Hört sich gleich viel besser an, nicht wahr? Am Anfang war mir auch tatsächlich nicht bewußt, das hier Unkrautvernichtung passiert! Wir können scheinbar etwas, was damals zu Zeiten Jesu nicht möglich war. Wir können Unkraut vernichten und doch den Weizen schützen. Zu welchem Preis ist ein anderes Thema.

Aber zurück zur Kindererziehung.

Wir vernichten Unkraut. So sind wir erzogen. So sind wir aufgewachsen. Im schönen gepflegten Garten wächst kein Unkraut. Unkraut wird in der Schule mit Rotstift markiert. Weg mit den Fehlern! Weg mit Fehlverhalten. Kinder die nicht grüßen, nicht danke sagen…”Hilfe, wo ist das Pflanzenschutzmittel!”  Das fatale ist, wir glauben das wir mit dem Unkrautvernichter unser Pflänzchen schützen…aber es wird dennoch vergiftet.

Jesus ist für mich in allen Lebenslagen immer ein toller Ratgeber. Aber was er hier antwortet ist mir erstmal fremd. Wachsen lassen! “Ja, aber Jesus! Was wenn das Unkraut, meine gute Saat kaputt macht! Was wenn die Lehrer, der Umgang von Unkraut-Freunden, überhaupt die böse Welt da draußen, alles in meinem Kind zerstört!”

Wachsen lassen!

Langsam verstehe ich. Es geht konform mit meinem Erziehungsstil. Wisst ihr nämlich was passiert, wenn wir in unserer Erziehung ständig auf das Unkraut schauen? Wir werden zu Entmutigern! Denn das fatale ist, es gibt ein Unkraut das dem Weizen zum verwechseln ähnlich sieht. Erst bei der Ernte wird es deutlich. Sprich, wenn ich vor der Ernte anfange das scheinbare Unkraut auszureißen, dann reiße ich auch Weizen mit heraus. Den guten Samen!

Wieso kann Jesus da zu schauen? Wieso können wir es nicht?

Vertrauen. Jesus wußte das er guten Samen auf den Acker streute! Er vertraute auf diesen guten Samen.

Können wir das auch? Können wir unseren Kindern vertrauen. Können wir darauf vertrauen, dass wir ihnen gute Samen mitgegeben haben? Wir sind Vorbilder! Lasst uns gute Vorbilder sein und darauf vertrauen, das dieser gute Same sich gegen das Unkraut durchsetzt.

Lasst uns auf den Weizen acht geben. Ermutigt die Stärken eurer Kinder und konzentriert euch nicht so sehr auf das Unkraut.

Vor allem dann, wenn sie Teenager sind. Lasst die Leine lang, auch dann wenn ihr Unkraut seht. Die Enge führt zur Rebellion. Die Entmutigung. Das mangelnde Vertrauen.

„Mache dir selbst zuerst klar, was du sein möchtest; 
und dann tue, was du zu tun hast.“

– Epiktet

 

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