• Stef Liehr

Tag 34

Vogelfrei und schräge Vögel


Als ich am Freitag am Bahnhof meine Kinder einsammeln wollte,

fiel ich in eine Art Schockstarre.😱 Da saß ein Punk 👨‍🎤 auf dem Gehweg. Mir gefror in dem Moment wirklich alles.

Vielleicht denkst du jetzt: warum??? Was ist dein Problem? Angst? Schlechte Erfahrungen?

Wer in Bogen aufgewachsen ist, weiß, dass das nicht der Ort ist in den sich Punks verlaufen. Aber als ich 12 Jahre alt war, da gab es diesen unglaublich hübschen und charmanten Jungen. Mit Springerstiefeln, bunten Haaren und ‘nem Iro.

Mann, war ich verliebt.

Meine Mama war mehr als alles andere begeistert, denn ich färbte meine Haare blau 💙 und entschied mich auch Punkerin zu werden.

Dagegen sein als Teenager ist ja nicht schwer und jede Menge Alkohol trinken auch nicht.

Ich war mega cool. 🤘

Und da saß er nun wieder.

30 Jahre später.

Am Bahnhof in Bogen.

Meine Kinder waren zutiefst getroffen, dass ihre Mama so ein schräges Wesen kennt. Sie saßen mit offenen Mund und weit aufgerissen Augen im Auto, während ich ihn umarmte und durch seinen bunten Iro wuschelte.

Seit ich in Australien zum Glauben gekommen bin, habe ich nie aufgehört für ihn zu beten. Ich wünsche mir, dass Gott ihn beschützt und er eines Tages wirklich frei sein kann.

Nach der Umarmung habe ich natürlich gefragt, wo er sich rumtreibt.

Sein Antwort war: Ich bin vogelfrei 🏴‍☠️ Stef. Ich leb mal hier mal da.

Frei von jeder Verpflichtung, frei von jedem Zwang. 🪶

Und sein Blick sagte: Nicht so wie du, dickes Auto, drei Kinder, gefangen…

Seine Antwort geht mir bis heute nach und ich hätte ihm so viel dazu zu sagen. Ja, er ist frei. Er hat dieses Punker-Leben mit allen Konsequenzen gewählt und nicht aufgehört es zu leben. 30 Jahre lang.

Aber ist er wirklich frei?

Natürlich weckt dieser Satz in mir eine Sehnsucht. Ich bin auch ein Mensch der seine Freiheit über alles braucht und liebt. Im Gegensatz zu ihm hatte mir Deutschland nie ausgereicht. Als Backpacker hab ich unglaublich viel von der Welt gesehen.

Aber ich will wirklich frei sein. Ganz und gar. Und das Paradoxe ist, gerade manche Verpflichtung und Grenze gibt einem Freiheit.

Und wirklich frei sein, dass weiß ich heute, bedeutet nicht, mit bunten Haaren, Stachelarmbändern und Bier 🍻 in der Hand durch die Lande zu ziehen und gegen alles zu rebellieren.

Ja, er kann vielleicht tun und lassen was er will. Und ja, manchmal wenn mein Leben von den Kindern so fremdbestimmt wird, dann würd ich das manchmal auch lieber tun. Aber ich weiß, wo ich herkomme.

Meine Sehnsucht frei zu sein hat mich in meinen Teenager-Jahren mehr als ein Mal fast das Leben gekostet. Und ich sehe auch bei meinem Punk, dass er einen hohen Preis für diese Art der Freiheit zahlt.

Jesus hat mich damals wirklich frei gemacht. Frei von Alkohol und Drogen. Frei von der Zuwendung anderer Menschen. Er hat meine Füße auf festen Grund gestellt. Und die Jahre des Persönlichkeitscoachings haben den Feinschliff gegeben.

Heute bin ich wirklich frei. Frei zu wählen. Frei Entscheidungen zu treffen. Frei von meiner Vergangenheit. Frei von Zwängen. Frei von Minderwertigkeitsgefühlen. Frei von Ängsten.

Und was mir als Heranwachsende immer wichtig war:

Ich wollte die Welt verändern.

Irgendwann begriff ich: Dagegen sein verändert nichts. Aber wissen wofür man steht und wer man ist und dann seine Umwelt zu gestalten, dass verändert alles.


Die Routine mit dem 5 Uhr Club gehört dazu. Da verändert sich was in mir noch mal ganz neu. Das morgendliche Programm von Sport, dankbarer Reflexion und Zielsetzung gibt mir eine gute Ausrichtung. Aber... ach diese ABER immer... aber ich gestehe mir jetzt am Wochenende eine Freiheit zu. Ich schlafe länger. Das tut mir gut und lässt mich mit meinen Kräften besser haushalten.


Und ich hab den Zenit überschritten!!! Mehr als 30 Tage liegen hinter mir. Die Kämpfe ums frühe aufstehen verblassen. Ja, manchmal ist es immer noch eine Entscheidung, aber nur noch jeden dritten Tag 😅



28 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Tag 51

Tag 37

Tag 24