• Stef Liehr

Manchmal ist das Leben zum Heulen


Ich hatte heute doch tatsächlich mal Luft, um eine bisschen Seelenpflege zu betreiben also hab ich mich mit einem guten Buch in die Badewanne gelegt.

Als ich dann mein Handy in die Hand nahm wurde mir ein YouTube Video von Nightbirde angezeigt. Natürlich hab ich geklickt:



Ein paar intensive Minuten später kullerten die ersten Tränen über meine Wangen.

"Du kannst nicht warten, bis das Leben nicht mehr hart zu dir ist, bevor du dich entscheidest, glücklich zu sein.“ -Nightbirde

Nightbirde war allein zu America got Talent gereist. Auf die Frage was sie denn beruflich mache, sagte sie momentan nichts, da ich seit ein paar Jahren mit Krebs kämpfe. An diesem Abend hatte sie den Krebs noch nicht besiegt. Sie war 30. Am 18.2. ist sie dem Krebs erlegen.

Als sie anfing zu singen, flossen die Tränen in Strömen und ich dachte: Gott wieso?!?!

Was für ein unsagbar hübsches Mädchen mit einer unglaublichen Stimme. Wieso?!?!

Zurück in meine kleine Welt.

Als die Tage eine Freundin eine WhatsApp Nachricht schickte mit den Worten:

"Neben uns tobt gerade ein Krieg und wir gehen einfach so unserem Alltag nach, als tangiere es uns nicht.", hielt ich inne.

Ja, das war mir am Morgen auch durch den Kopf gegangen und nun stand ich in der Küche und kochte Mittagessen für meine Kinder.

Noch mal ein paar Tage zurück…oder besser gesagt Jahre.

Ich war als Missionarin mit einem Team in Indonesien. Wir besuchten die Slums die zwischen den Wolkenkratzer der Hauptstadt Jakarta aufragten. Wir gaben Englisch Unterricht, versorgten Schwangere und Stillende, bemalten zerfallene Wände und brachten den Menschen dort das Nötigste zum Thema Hygiene bei.

Der Großteil der Bevölkerung dort war Muslimisch, dennoch konnten wir auch für Menschen beten und erlebten wundersame Heilungen.


Abends fuhren wir zurück in unsere Unterkunft.

Ein Apartmentblock. Wir lebten im 54. Stockwerk mit Klimaanlage und sauberen Wasser.

Ein Unwetter zog auf und ich stand am Fenster und blickte hinunter zu den Slumbaracken.


Noch heute kommen mir Tränen.

Ich rief an diesem Abend zu Gott: Wieso?! Wieso ich? Wieso steh ich hier oben und die anderen da unten. Wieso bin ich in Deutschland zur Welt gekommen und nicht hier?

In dieser Nacht rang ich mit Gott, meinem Glauben und Werten.

Als es Morgen wurde, wusste ich was Gnade bedeutet.

Ein unverdientes Geschenk.

Mein ganzes Leben ist ein unverdientes Geschenk, auch wenn es immer heißt jeder ist seines Glückes Schmied. Mag sein, dass ich mit meinem Engagement und Ehrgeiz viel erreichen kann.

Aber wo ich geboren werde, hab ich nicht in der Hand.

Ja, am Ende verstand ich was Gnade bedeutet und Gott fragte mich in jener Nacht:

Was machst du draus?

Und ich gebe diese Frage heute an dich weiter:

"Was machst du mit diesem wilden kostbaren einzigen Leben?"


Damals wusste ich, ich will mein Leben, dort wo auch immer ich bin, nutzen um einen Unterschied im Leben anderer zu machen.

So tragisch, wie manche Lebensgeschichten sind oder gerade auch der Krieg in der Ukraine und Russland. Und so wenig, wie ich Gott manchmal begreife.

Ich kann daran nichts ändern.

Aber ich kann mein Umfeld und mich verändern und dort blühen wo ich gesät wurde… Ich kann die Gnade, die mir geschenkt wurde gebrauchen, um Gutes zu tun.

...und eines Tages, so is zumindest mein Plan, werd ich meine Kreise auch wieder Weiterstecken und in Indien, Uruguay und sonst wo in der Welt Menschen helfen.


Nightbirde hatte ein viel zu kurzes Leben, aber sie hat die Welt definitiv besser gemacht und ihr Erbe hinterlassen.

Make your life count. 🧡

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