• Stef Liehr

Gleichwertig vs. Gleichberechtigt

Mein Lehrer und Held, Alfred Adler, seiner Zeit weit voraus, hat als Grundvorraussetzung für seine  Individualpsychologie, jeden Menschen als gleichwertig gesehen. Zu einer Zeit in der Ehefrauen noch den Ehemännern zu gehorchen hatten, in der Klassendenken unangefochten war und andere Rassen unterdrückt wurden, ein mehr als heldenhafter Ansatz!

Er nahm diesen Ansatz mit in englischsprachige Länder, wo der Begriff Gleichwertigkeit leider verdreht wieder zurück kam…nämlich als Gleichberechtigung. Für uns scheint es auf den ersten Blick keinen Unterschied zu machen, aber auf den zweiten Blick ist er riesengroß.

Auch hier mal wieder ein Blick in die Definition:

Gleichberechtigung: gleiches Recht für alle, egal welcher Herkunft, Rasse, Geschlecht…

Gleichwertigkeit: gleicher Wert von allen/m, egal welcher Herkunft, Rasse, Geschlecht

Mein Standpunkt ist das wir unsere Kinder gleichwertig behandeln sollen, aber sie sind eines nicht: gleichberechtigt! Kinder haben nicht die gleichen Rechte wie wir. Es wäre eine Katastrophe! Sarayu möchte seit einiger Zeit Auto fahren! Würde ich sie gleichberechtigt behandeln, hätte ich ihr die Schlüssel in die Hand gedrückt! Wieso tue ich es nicht? Mit Rechten kommen auch Pflichten. Wer zahlt den Unfallschaden? Oder weniger dramatisch das Benzin? Mit dem Recht Auto zu fahren, müsste sie als auch Pflichten eingehen. Unsere Rechte würden unsere Kinder schlichtweg überfordern.

Eltern und Kinder sind also tatsächlich eher gleichwertig. Sowohl sie, als auch wir verdienen Respekt und Achtung, das Einhalten von Grenzen, die Erfüllung von Bedürfnissen, Ernstgenommen werden, uvm. Es macht mich unglaublich wütend, wenn die Erwachsenen Kinder nicht gleichwertig behandeln. Zum Beispiel wenn ich miterlebe wie ein Erwachsener seine kräftemäßige Überlegenheit ausnutzt, um seinen Willen durchzusetzen oder sich lustig über ein Kind macht oder ihm Angst macht. Würden wir mit einer Freundin so reden, wie wir oft mit unseren Kindern reden?

“Zeig mir, wie du mit einem Kind umgehst und ich sage dir wer du bist.”

Ich konnte den Verfasser dieses Zitat leider nicht ausfindig machen, aber es ist mir zum Leitfaden geworden, wenn ich Menschen treffe, denn es hat sich immer bestätigt.

In unserem Grundgesetzt Artikel 1 ist die Gleichwertigkeit verankert. Kein Mensch hat das Recht, den anderen seinen Willen aufzuzwingen. Dennoch tun wir das als Eltern oft, nicht wahr? Jeder von uns kennt Machtkämpfe. Einer verliert immer. Je öfter das Kind verliert, desto entmutigter wird es. Und desto schwieriger wird es gesunde Beziehungen zu leben. Oftmals lassen wir uns auf Machtkämpfe ein. Bei mir sind sie dann auch mit der berühmten ausgerutschten Hand geendet. Später sagte mir meine Mentorin, das es so was nicht gibt. Sie traktierte mich mal wieder mit “Wozu”-Fragen. Wozu “rutscht” dir die Hand aus? Ich musste mir eingestehen, dass ich mich hilflos und überfordert fühle in solchen Hand-Momenten. Dieses kleine dreijährige Kind bringt mich so weit nach unten in meinem Wert, das der einzige Weg nach oben die Hand ist. Danach fühlte ich mich richtig schlecht…geschweige denn das ich mein Ziel erreicht hätte. Wirklich “oben” gefühlt habe ich mich nämlich nicht…und was noch schlimmer ist: Ich habe vertrauensvolle Beziehung zerstört. Was hier oftmals vorausgeht, hatte ich bis dahin nicht erkannt aber heute hat sich diese Erkenntnis gefestigt: Nur entmutigte Kinder (und Erwachsene) gehen Machtkämpfe ein. “Wozu?” Damit sie in ihrem (Selbst-)Wert wieder nach oben kommen. Leider ist es wie mit einem gespannten Gummi…es kommt immer mit Wucht zurück. Wenn Gleichwert das Ziel ist, dann ist kämpfen nicht der Weg dorthin.

Aber was ist dann der Weg?

…mehr dazu im nächsten Blog. Hier euch noch mal ein Vlog von Herzriese…


 

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